Ursprung und Geschichte
Nebbiolo ist eine der ältesten dokumentierten Rebsorten Italiens; Aufzeichnungen reichen bis 1268 in der piemontesischen Stadt Rivoli zurück. Sein Name leitet sich wahrscheinlich von nebbia (Nebel) ab – entweder in Bezug auf die nebelbedeckten Langhe-Hügel, wo er im Oktober reift, oder auf den weißen Dunstschleier, der im Herbst über den Beeren entsteht. Jahrhundertelang blieb er auf das Piemont beschränkt und widersetzte sich erfolgreich dem Anbau andernorts. Heute existieren zwar bescheidene Anpflanzungen in der Lombardei, im Aostatal und an einigen Neuweltstandorten, doch Nebbiolo bleibt nahezu ausschließlich ein italienisches Phänomen.
Anbauregionen
Die Langhe-Hügel des Piemonts, insbesondere die Gemeinden Barolo und Barbaresco, sind das Epizentrum der Nebbiolo-Größe. Innerhalb von Barolo bringen spezifische menzioni geografiche (MGA) – Cannubi, Brunate, Castiglione – Weine mit unverwechselbarem Charakter hervor. Barbarescos Asili, Rabajà und Sorì San Lorenzo sind gleichermaßen berühmt. Die Lombardei bringt in der Valtellina einen leichteren, alpinen Stil hervor. Außerhalb Italiens kommen kleine Mengen überzeugenden Nebbiolos aus dem Bundesstaat Washington und den Adelaide Hills in Australien.
Weineigenschaften
Trotz seines tiefen, düsteren Rufes bringt Nebbiolo überraschend helle, granat-orange Weine hervor. Die Nase ist beunruhigend komplex: getrocknete Rosen, Teer, Leder, Lakritze, Tabak und Trockenkirsche. Junger Barolo kann undurchdringlich tanninreich und herb wirken; diese Traube verlangt Geduld. Nach 10 bis 15 Jahren integrieren sich die Tannine und enthüllen außerordentliche Eleganz: feines Leder, getrocknete Veilchen, Orangenschale, Waldboden und Trüffel. Die Säure ist elektrisierend und sorgt dafür, dass die Weine 30 bis 50 Jahre reifen können.
Speiseempfehlungen
Barolo wird zu Recht „der Wein der Könige und der König der Weine" genannt und verlangt nach Speisen von ähnlichem Rang. Weiße Trüffel aus Alba – über Tajarin-Pasta oder Spiegeleier gerieben – sind die erhabenste Begleitung. Brasato al Barolo (in Barolo geschmortes Rindfleisch), langsam gegarter Wildbraten und Risotto mit Steinpilzen sind ebenfalls hervorragend. Die Tannine der Traube profitieren enorm von fettreichen Zubereitungen, die ihre Herbheit mildern.
Bedeutende Weine
- Giacomo Conterno Barolo Monfortino — gilt als einer der größten Weine Italiens
- Bruno Giacosa Barbaresco Asili Riserva — Maßstab des traditionellen Barbaresco
- Gaja Sori Tildin (Barbaresco) — modernes Kultgut des bekanntesten Produzenten
- Produttori del Barbaresco — herausragende Qualitätsweine der Genossenschaft